• Welche Freiräume braucht die Kunst?

    Leon Locher und Detlev Schneider, Künstler zwei unterschiedlicher Generationen unterhalten sich an diesem Nachmittag mit Rose Beermann über die Frage, welche Freiräume für das künstlerische Arbeiten notwendig sind. Ausgehend von konkreten räumlichen Bedingungen, wie die Gestaltung von Wohn-, Arbeits- und Aufführungsorten, sprechen wir über Ideen von Freiheit: Welche Bedingungen empfinden wir zu bestimmten Zeitpunkten als Freiheit – und warum? Welche Einschränkungen gab es vor 20 Jahren, welche gibt es heute? An welchen Stellen erschweren diese Einschränkungen künstlerisches Arbeiten, an welchen werden sie vielleicht sogar produktiv? In einer Zeit, in der Kunst- und Kulturschaffende in Berlin durch drastische Sparmaßnahmen und der radikalen Befragung der gesellschaftspolitischen Bedeutung von Kunst enorm unter Druck geraten, soll es darum gehen, voneinander zu lernen: Wie können wir mit Beschränkungen arbeiten und Freiräume erschaffen? Das Publikum ist eingeladen, sich einzumischen und mitzudiskutieren. 

    Das AULAB ist eine Reihe von experimentellen Veranstaltungsformaten unter der Leitung von Rose Beermann, bei der die Begegnung mit dem Publikum im Vordergrund steht. Thematischer Schwerpunkt ist der generationsübergreifende Austausch.

    What Kind of Free Room Does Art Need?

    Leon Locher and Detlev Schneider, artists from two different generations, will speak with Rose Beermann this afternoon about what kind of free room is necessary for artistic work. Starting from concrete spatial conditions – such as living, working, and performance spaces – we will discuss conceptions of freedom: What conditions do we perceive as freedom at certain moments – and why? What restrictions existed 20 years ago, and what restrictions exist today? To what extent do these restrictions hinder artistic work, and to what extent might they even prove productive? At a time when artists and cultural workers in Berlin are under enormous pressure due to drastic budget cuts and the radical questioning of art’s sociopolitical significance, the focus is on learning from one another: How can we work within limits and create spaces of free room? The audience is invited to contribute and participate in the discussion.

    AULAB is a series of experimental event formats led by Rose Beermann, which focuses on encounters with the audience. The thematic focus is on intergenerational exchange.

  • Rose Beermann

    Rose Beermann ist Künstlerin und Kulturwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Choreografin, Regisseurin, Performerin und Dramaturgin in den Freien Darstellenden Künsten. Sie realisiert eigenen Arbeiten im Bereich des experimentellen Tanzes, welche an unterschiedlichen deutschsprachigen Theatern und auf internationalen Festivals gezeigt wurden. Ihr Interesse an akademischer Forschung und Lehre führte sie zunächst an das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, dann u.a. an das HZT Berlin. Seit Oktober 2022 ist sie Doktorandin im Graduiertenkolleg ‚Dokumentarische Praktiken. Exzess und Entzug‘ an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie Trägheit als widerständige Kraft erforscht. Mehr Informationen auf ihrer Website

    In meiner Arbeit erforsche ich Entstehungsprozesse kollektiver Körperbilder, dafür untersuche ich performative Paradigmen und choreographische Strukturen, denen ich in meinem Alltag begegne. Im Moment interessiere ich mich für die Ambivalenz von Vulnerabilität: Der Begriff der Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit war für mich lange Zeit positiv besetzt, er stand für Offenheit, Durchlässigkeit und die Fähigkeit, sich von anderen berühren zu lassen. Seit in meinem Alltag mehr und mehr Bilder von verletzten oder gar toten Körpern auftauchen, befrage ich dieses Verständnis von Vulnerabilität: Wer kann es sich leisten, vulnerabel zu sein? Und wie unterscheiden sich ein offener, durchlässiger von einem verwundeten Körper?  

    Rose Beermann is an artist and researcher. She works as a choreographer, director, performer, and dramaturge in the field of independent performing arts. She creates her own works in the field of experimental dance, which have been shown at various theaters in German-speaking countries and at international festivals. Her interest in academic research and teaching first took her to the Institute for Applied Theater Studies in Giessen, then to HZT Berlin, among others. Since October 2022, she has been a doctoral student in the research training group ‚Documentary Practices: Excess and Withdrawal‘ at the Ruhr University Bochum, where she is researching inertia as a force of resistance. More information on her Homepage.

    In my work, I explore how collective body images emerge, examining performative paradigms and choreographic structures that I encounter in my everyday life. At the moment, I am interested in the ambivalence of vulnerability: for a long time, I associated the concept of vulnerability with positive connotations, seeing it as a sign of openness, permeability, and the ability to be touched by others. Since images of injured or even dead bodies have been appearing more and more in my everyday life, I have been questioning this understanding of vulnerability: Who can afford to be vulnerable? And how does an open, permeable body differ from a wounded body?

  • Leon Locher

    Leon Locher ist ein schweizerisch-deutscher zeitgenössischer Performance-Künstler. Nach anfänglichem künstlerischen Fokus auf Schreiben und Schauspiel bewegen sich seine Performance-Arbeiten heute interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Text, Körper und Raum – meist im Theater-Setting und oft mit semi-dokumentarischem Charakter. Er lebt in Berlin und hat im Master Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin und davor im Bachelor Sprachkunst and der Universität für Angewandte Kunst Wien studiert. Arbeiten von und mit ihm waren unter anderem in den Uferstudios Berlin, im Theater der Künste Zürich, bei Cordillera Berlin, im Angewandte Performance Lab Wien oder der Galerie KUB in Leipzig zu sehen.

    Derzeit beschäftige ich mich mit der Überschneidung von Poesie und Ethik: Wie kann ein Konzept poetischer Gerechtigkeit in einem nicht-narrativen Theaterverständnis aussehen? Und wie eine Praxis der poetischen Resilienz im Kontext von Militarisierung und Ertüchtigung der Gesellschaft? Um diese Fragen anhand meiner eigenen Arbeit zu entfalten, begebe ich mich während des AULAB auf die Suche nach konkreten Arbeitsmethoden, die Lyrik, Dokumentartheater und Bewegungsforschung in einen kritischen Dialog setzen.

    Leon Locher is a Swiss-German contemporary performance artist. With an artistic practice initially rooted in writing and acting, his interdisciplinary performances now revolve around and examine the intersection between text, body and space. They mostly take place in theater settings and are often semi-documentary. Leon lives in Berlin and has studied in the MA Solo/Dance/Authorship at HZT Berlin, after having completed a BA in Creative Writing at the University of Applied Arts Vienna. Works by and with him have been presented at Uferstudios Berlin, Theater der Künste Zürich, Cordillera Berlin, Angewandte Performance Lab Vienna and KUB Gallery Leipzig.

    I’m currently busy with questions around the overlap of poetry and ethics: How can a concept of poetic justice look like in a non-narrative understanding of theatre? And how a practice of poetic resilience, in the context of militarization and toughening up of society? To unfold these questions within and through the span of my own work, during AULAB I aim to articulate concrete working methods that put poetry writing, documentary theatre and movement research in a critical dialogue with each other.

  • Detlev Schneider

    Theater- und Kulturwissenschaftsstudium in Leipzig und Berlin.
    Publizistische Tätigkeit über Szenografie, Theaterarchitektur und performative Räume.
    Mit-Initiator der Neubegründung des Festspielhauses Hellerau in Dresden als Experimentierort, bis 2002 dessen Künstlerischer Leiter und Vorsitzender seiner internationalen Trägergesellschaft.
    2001 Gründungsmitglied der Trans-Media-Akademie in Dresden.
    Diverse Beirats- und Jurytätigkeit, z.B. für das CYNETart-Medienkunstfestival und den Hauptstadtkulturfonds.
    Von 2004 bis 2008 Co-Direktor von TESLA medien>kunst<labor im Podewils’schen Palais in Berlin.
    2009 bis 2013 Vize-Vorsitzender der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft. Studien und Projekte zu den Schnittflächen von performativen Künsten und elektronischen Medien.